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TV-Programm

Talk, Talkshow
Nachtcafé
SWR
17.02.,
22:00 - 23:30
Infos
Internet: www.SWR.de/nachtcafe
Produktionsland
D
Kein Schweineschnitzel in Kantinen, Frauen mit Kopftüchern und bodenlangen Mänteln, Islamkunde als Schulfach - der Glaube gilt zwar als Privatsache, dennoch ist er im Alltag nicht zu übersehen und nimmt Einfluss auf unsere Lebensgewohnheiten. Die einen sprechen von einer Überfremdungswahrnehmung, die anderen von Toleranz. So manchen überkommt das ungute Gefühl, dass sich in Zukunft der Glaube viel zu dominant in unserem Alltagsleben verankern könnte. Was aber macht am gelebten Islam im Alltag solche Angst? Was ist Bereicherung, was Beeinträchtigung und was Bedrohung? Wie viel Religion darf in einem säkularen Staat wie unserem überhaupt sein? Darüber diskutiert Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im "Nachtcafé: Der Islam in unserem Alltag - wo ist das Problem?", zu sehen am Freitag, 17. Februar, 22 Uhr im SWR Fernsehen. Mehr als 4,7 Millionen Menschen muslimischen Glaubens leben mit uns. So mancher fühlt sich geradezu provoziert. Denn nicht nur am Burkini im Schwimmbad oder dem Minarett in der Nachbarschaft entzünden sich immer neue Konflikte. Einige Islamverbände rufen nach mehr Anerkennung, fordern gesetzliche islamische Feiertage. Hingegen fürchten Frauenverbände und Homosexuelle um ihre Rechte, die sie sich über Jahrzehnte hart erkämpft haben. Die Gäste im "Nachtcafé": Birgit Plechinger, ist Rektorin an einer Mittelschule mit vielen muslimischen Schülern Birgit Plechinger ist Rektorin einer bayerischen Mittelschule, mehr als die Hälfte ihrer Schüler sind Muslime. Ob im Schwimmunterricht oder beim Kantinenessen - immer steht sie vor der Frage: Wie viel Entgegenkommen ist berechtigt, welche Sonderregelungen gehen eindeutig zu weit? Auch die ungleiche Erziehung von Mädchen und Jungs macht sich in der Schule deutlich bemerkbar: "Oft lassen die Eltern ihren Söhnen alles durchgehen, den Töchtern wird wenig erlaubt." Dr. Michael Schmidt-Salomon, für den Atheisten gehört Religion nur ins Privatleben Für Dr. Michael Schmidt-Salomon sind die Grenzen der Toleranz schon längst erreicht: "Der Glaube nimmt in unserem Land einen viel zu großen Einfluss auf unseren Alltag und die Politik. Ob katholisch, evangelisch oder muslimisch - Religion sollte Privatsache bleiben", so der Atheist. Für den Religionskritiker ist die Idee einer Multi-Kulti-Gesellschaft längst gescheitert. Meriem Lebdiri, die Designer kombiniert europäische Mode mit islamischer Tradition "Jeder soll doch ungestört und offen seinen Glauben ausleben", sagt Meriem Lebdiri. Die junge Designerin entwirft Mode für Frauen, die ihren Körper selbst- und modebewusst bedecken möchten. Das Kopftuch gehört für die praktizierende Muslima, die mit fünf Jahren aus Algerien in die Pfalz kam, zu ihrer Identität: "Ich kombiniere europäische Mode mit islamischer Tradition und will damit Brücken bauen." Jochen Blaich, der Krankenpfleger berichtet über seinen Alltag mit muslimischen Patienten Was es bedeutet, wenn der muslimische Glaube mit dem deutschen Klinikalltag kollidiert, das erfährt Krankenpfleger Jochen Blaich täglich. Als Stationsleiter bekommt er immer wieder mit, dass weiblichem Krankenhauspersonal wenig Respekt entgegengebracht wird. Auch sorgen Krankenbesuche ganzer Großfamilien, die sich ums Bett eines Angehörigen versammeln, häufig für Ärger: "Unsere Bitte um Rücksichtnahme wird leider häufig ignoriert." Mina Ahadi, die gebürtige Iranerin erlebte drakonische Strafen im Namen des Islam "Der Islam hat in Europa überhaupt nichts zu suchen", davon ist Mina Ahadi überzeugt. Bereits als Neunjährige musste die gebürtige Iranerin Tschador tragen, durfte in der Öffentlichkeit weder reden noch lachen. Im engsten Familienkreis hat sie erlebt, welch drakonische Strafen im Namen des Islam verhängt werden: Ihr Mann wurde wegen seiner politischen Arbeit hingerichtet. Dem Islam hat die Gründerin des Zentralrats der Ex-Muslime gänzlich abgeschworen. Prof. Dr. Jochen Oltmer, der Migrationsforscher steht der Zukunft positiv gegenüber Prof. Dr. Jochen Oltmer forscht seit über 20 Jahren zur Geschichte der Migration. Und blickt mit diesem Hintergrundwissen optimistisch in unsere Zukunft. Der Historiker ist guter Dinge, dass sich die grassierende Angst vor Überfremdung auf lange Sicht hin auflösen wird: "Religion hat enorm an Bedeutung verloren. Die Probleme, die es zweifelsohne bei der Integration gibt, haben mit Religion sowieso wenig zu tun", so der Migrationsforscher. Gäste im Publikum: David Karner, stellt sich die Frage, wie homophob der Islam ist Wie homophob ist der Islam? Diese Frage stellte sich David Karner, nachdem er mit einem Freund in einem Taxi Platz nahm. Als sich die beiden im Auto küssten, rastete der Taxifahrer aus. Mit Verweis auf seinen muslimischen Glauben hagelte es übelste Beschimpfungen, danach flog die Faust. Bis heute beschäftigt David Karner der Vorfall: "Ich bin sehr vorsichtig geworden. Hand in Hand laufe ich mit meinem Freund auf der Straße nicht mehr." Susanne Benz, die Katholikin lebt harmonisch Tür an Tür mit Syrern Sie kamen als Fremde, nun fühlt es sich wie Familie an: Tür an Tür lebt Susanne Benz mit zwei Männern aus Syrien - der Islam stand dem harmonischen Zusammenleben noch nie im Weg. Seit einem Jahr teilen sich die Katholikin und ihr Mann ihr Haus mit zwei jungen Flüchtlingen. Der Kontakt ist innig, oft sitzen alle zu viert am Esstisch: "So verschieden sind wir gar nicht. Sie schätzen unsere westlichen Werte, sind modern und genießen einfach nur ihre Freiheit."
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